Sylvia Sabarth über ihre Zeit in Kenia bei der Stiftung Sauti Kuu (SKF) (20. Juli bis 8. Oktober 2012)

Bei meinem ersten Besuch in Kenia 2009 besuchte ich meine Familie mit meinen Eltern. Ich sah eine ganze Menge und genoss das fremde Land, und doch fühlte ich mich, als wäre ich nicht ganz und gar da gewesen. Mein zweites Mal war genau das Gegenteil von dem vorherigen Erlebnis: Während der drei Monate meines Praktikums probierte ich köstliches Essen, traf tolle Leute, arbeitete viel und liebte es.

Das Büro mochte ich von Anfang an. Es liegt an der meiner Meinung nach längsten und belebtesten Straße Nairobis, der Ngong Road. Trotzdem konnten wir von unseren Fenstern aus Vögel und andere Tiere beobachten. Das (damals noch recht kleine) Team hat mich mit der typisch kenianischen Großzügigkeit aufgenommen und schaffte es irgendwie, mir alle Nervosität schon dann zu nehmen, wenn ich sie vielleicht noch gar nicht bemerkte. In dieser Umgebung war es natürlich nicht schwer, einen guten Start in diese neue Episode meines Lebens hinzulegen.

Meine ersten Aufgaben waren ziemlich klein, beispielsweise das Aufnehmen von Information in virtuelle Profile unserer Schützlinge. Später durfte ich ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen und bekam die Kommunikation mit einem unserer Partner übertragen, die darin bestand, sie über Fortschritte des Projekts zu informieren, Ideen zu koordinieren und Fotos zu verschicken. Außerdem habe ich unsere Projektkoordinatorin Wachuka Njuguna in einigen Bereichen ihrer Arbeit unterstützt – jedenfalls habe ich es versucht. Alle Dinge aufzuführen, die ich hier gelernt habe, würde natürlich diesen Rahmen sprengen, aber ein paar würde ich trotzdem gerne nennen:

Erstens, der Umgang mit dem Programm Excel. Es klingt unglaublich, aber trotz 12 Jahren Schule und einem abgeschlossenen Abitur hatte ich nicht ein einziges Mal damit gearbeitet. Jetzt, nach drei Monaten „learning by doing“, ist Budgets oder Arbeitspläne schreiben kein Problem mehr. Und am Ende stimmen sogar die Zahlen!

Eine andere Sache wären Effizienz und Arbeitsorganisation. Vor dem Praktikum hatte ich noch nie in irgendeiner Art von Büro gearbeitet. Die einzige Erfahrung in dem Gebiet, die ich vorweisen konnte, waren die seltenen Zeiten in der Schule, wenn mich der Arbeitseifer packte – das passierte etwa zwei Mal im Jahr. Ich musste also lernen, mich selbst zu disziplinieren, zu organisieren und Prioritäten zu setzen. Denn ich wusste ja, spätestens am Ende der Woche sollten die Aufgaben erledigt und SKF einen Schritt weiter sein. Soweit ich das jetzt schon beurteilen kann, wird mir das auch im Studium, das ich anschließend begonnen habe, bedeutende Vorteile bringen.

Natürlich habe ich nicht nur drei Monate im Büro zugebracht. Ich hatte glücklicherweise die Möglichkeit sehr viel zu reisen, die Küste zu sehen, genauso wie den Westen des Landes. Ich habe Mombasa, den Tsavo Nationalpark, Alego und Kisumu gesehen, alle Highlights zu erwähnen wäre zu viel. Ich habe mich in das großzügigste Volk der Welt verliebt, in die Landschaft (kaum einer, der die Bilder nicht kennt – die Realität ist atemberaubend) und ja, auch in das Essen. Das erste, was ich potenziellen Besuchern rate, ist sich auf mindestens zwei Kilo mehr bei der Heimreise einzustellen. Wenige Menschen widerstehen dem Zauber von Chapati, Mandazi, Mukimo, Nyama Choma, Samosas, Ugali und vielen anderen Speisen.

Ich hoffe inständig, dass ich ausdrücken konnte, wie kostbar mir die Erinnerung an diese Zeit ist. Sie wäre nicht die gleiche gewesen ohne all die Menschen, die mich über die ganzen drei Monate begleitet haben. Danke, Wacu, dass Du mir so viele Male geholfen und gezeigt hast, wie Kenia „tickt“. Danke, Patricia, Atieno und Cathy, für die vielen Lunch Picknicks und dass Ihr es geschafft habt, eine Stimmung herzustellen, die harmonisch UND förderlich für die Arbeit war. Aber vor allem: Danke, Auma, dass Du mir die Möglichkeit gegeben hast in dieser bemerkenswerten Organisation meinen bescheidenen Beitrag zu leisten und dafür, dass Du so eine tolle Chefin warst, sowohl herausfordernd als auch nachsichtig. Ich werde Euch vermissen und so schnell wie möglich zurückkommen. Oder, um es in der Sprache der NGOs zu formulieren: Mein Arbeitsplan sieht vor, mein Budget dahingehend zu verbessern, dass ich ASAP zurückkehren kann!